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Mit dem Dipl. Psychologe Sebastian Bartoschek sind wir nun seit 1Jahr in Kontakt und er steht uns ab und zu bei Klientenfällen mit seinem Rat zur Seite.

 

 

Melanie Schindler:

Du kommst mit vielen Menschen zusammen die Dir ihre Spukgeschichte erzählen, was ist meist Dein Eindruck? Wodurch könnte Deiner Meinung nach solch eine Spukerscheinung ausgelöst werden?

 

Sebastian Bartoschek:

Allgemein ist mein Eindruck, dass die Leute irgendetwas erlebt haben, das sie sich nicht erklären können und mit dem sie sich auch oft irgendwie seltsam fühlen. Naja, und einige tendieren dann dazu, dass als „Spuk“ zu benennen, vor allem wenn Freunde in ihrem Umfeld das auch so sehen.

 

Bei Spukphänomenen kommen oft eine entsprechende Erwartungshaltung oder Offenheit zusammen mit nicht alltäglichen oder diffusen Sinneseindrücken. Oder mal konkreter: ich habe nie erlebt, dass jemandem am helllichten Tag in eine gut ausgeleuchteten Neubau klar ein Geist erschienen ist. Gerade in Zwielicht der Dämmerung kann unsere Wahrnehmung Struktur sehen oder hören, wo vielleicht keine sind...

 

 

Melanie Schindler:

Du bist GWUP Mitglied und ein echter Skeptiker.

Glaubst Du überhaupt nicht dass es paranormale Dinge gibt?

Wie sieht es mit einem Leben nach dem Tod aus?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Ach herje, jetzt geht’s in die Vollen, wie? Also, mir stellt sich das so dar: als Skeptiker schließe ich erstmal gar nix aus. Ich frage mich nur: was ist wahrscheinlicher, welche Belege gibt es wofür, und welcher Gegenbeweis müsste eintreten, um ein Denkmodell zu stürzen. Wenn jemand an etwas glaubt, und sich keinen Gegenbeweis vorstellen kann, spricht das für mich dafür, dass seine Überzeugung extrem und irrational ist – das lehne ich ab.

 

So, OK, das war jetzt 'ne lange Vorrede – nun zum Paranormalen: ich schließe nicht aus, dass es paranormale Phänomene geben kann. Sollte es sie geben, werden sie wissenschaftlich beschreibbar, wiederholbar und irgendwann auch erklärbar sein. Bisher ist mir aber so gut wie nichts untergekommen, was nicht auf den zweiten oder dritten Blick erklärbar gewesen ist. Die Beweislage ist einfach noch zu dünn, um sich darauf irgendwie gesichert zu bewegen. Und Replikationen paranormaler Effekte scheitern regelmäßig.

 

Leben nach dem Tod, hm. Finde ich für mich nicht so relevant. Ich bin ja dafür, dass wir zusehen, dass wir den Fokus auf unser Leben vor dem Tod legen: hier und jetzt Gutes tun und füreinander eintreten und nicht darauf schielen, dass es ja im Jenseits weiter geht und da alles besser wird. Als Wissenschaftler habe ich keine Notwendigkeit und keine Belege davon auszugehen, dass es nach dem Tod irgendwie „weiter geht“. Aber naja, ich werd's ja früh genug sehen...

 

 

 

Melanie Schindler:

Was würdest Du Menschen raten, die meinen, dass es bei ihnen zu Hause spukt?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Offen sein und sich nicht dafür schämen, was sie wahrgenommen haben. Sie sollten mit ihren Freunden darüber reden, gerade auch  mit solchen, die nicht an Spuk und Geister glauben. Dann ein wenig nach natürlichen Erklärungen googlen. Und dann vielleicht Fachberatung suchen – da fände ich jemanden wie mich ganz OK –  aber auch andere Skeptiker. Auf keinen Fall sollten Sie sich in die Hände von Leuten begeben, die Ihnen Geld abnehmen wollen, für irgendwelche Rituale oder so etwas.

 

Wenn die Spukwahrnehmung massiv ist, würde ich persönlich auch den Gang zu Arzt oder Psychologen antreten, bevor ich vielleicht eine schlimmere Erkrankung habe.

 

 

Melanie Schindler:

Bei einer angehenden Schizophrenie beginnen die Menschen auch Stimmen zu hören.

Kannst Du mir sagen in welchem Alter so etwas anfängt und wodurch so etwas ausgelöst werden kann?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Voraus geschickt sei, dass die Diagnostik psychischer Störungen immer im Einzelfall erfolgen muss. Natürlich gibt es typische Verläufe, wie bei jeder Erkrankung, aber es kann im Konkreten dann doch ganz Anders verlaufen! Die Schizophrenie tritt gewöhnlich ab frühen Erwachsenenalter  auf und gehört zu den häufigsten psychischen Störungen – knapp ein Prozent der Deutschen haben im Laufe Ihres Lebens eine solche Psychose. Wie alle psychischen Störungen gibt es eine genetische Komponente, Stress, egal ob positiver oder negativer, kann den Ausbruch beschleunigen, ebenso wie Suchtmittel oder Drogen – und manchmal „passiert es einfach“...

 

 

Melanie Schindler:

Gibt es noch andere psychische Krankheiten in denen Halluzinationen oder Ähnliches hervorgerufen werden?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Ja, es gibt jede Menge psychische und viele körperliche Störungen und Erkrankungen, die Halluzinationen auslösen können, übrigens ebenso optische wie akkustische oder haptische. Das im Details auszuführen, würde hier zu weit führen. Wichtig ist, dass Halluzinationen auch ohne Erkrankung oder Störung auftreten können, bei Müdigkeit zum Beispiel oder kurz vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen. Ein toller Buchtipp dazu: „Die irreale Welt in unserem Kopf: Halluzinationen, Visionen, Träume“ von Erich Kasten.

 

 

Melanie Schindler:

Was wäre für Dich ein Beweis dass es doch ein Leben nach dem Tod und Geister gibt?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Das ist eine gute Frage. Und eigentlich zwei Fragen. Ein wissenschaftlicher Beweis müsste replizierbar  und eindeutig sein. Ich fürchte an das Leben nach dem Tod würde ich erst glauben, wenn ich es dann selbst erlebe. Oder vielleicht, wenn einer meiner verstorbenen Verwandten eindeutige Infos an Dritte geben würde. Was den Geisterbeweis angeht, ach, ich denke, das Erscheinen von Geistern in einem Forschungslabor wäre ein guter Anfang (lächelt). Warum sollten Geister eigentlich immer nur im Dämmerlicht und nie eindeutig auf Filmen und Fotos erkennbar erscheinen wollen? Ich möchte aber dann doch kurz die Frage in den Raum stellen, wie für euch eigentlich ein Beweis aussehen müsste, damit ihr nicht mehr an ein Leben nach dem Tod oder Geister glaubt...

 

 

Melanie Schindler:

Wie siehst Du das, dass sich dieses Thema mehr in der Öffentlichkeit verbreitet und die Menschen dazu bewegt offener darüber zu reden?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Ich weiß gar nicht, ob sich das Thema immer mehr verbreitet, oder ob das nicht immer da war und wir derzeit einfach nur eine neue Welle der Offenheit über neue Begriffe, wie das Ghosthunting, verbreitet. Geisterjagd gab es ja schon in der griechischen Antike. Und gerade in Deutschland hat der Spiritismus ja in den 1920ern eine große Menge von Menschen begeistert und dann in den 1970ern wieder über Menschen wie Uri Geller. Naja,  Offenheit find ich immer gut. Aber ich finde schade, dass Gläubige und Skeptiker in dieser Sache mehr übereinander statt miteinander sprechen. Denn was uns einen sollte, ist doch der Wunsch nach Erkenntnis; und wenn wirklich etwas an Geisterspuk dran sein sollte, dann wäre es doch wichtig, das Ganze sauber zu erforschen.

 

 

Melanie Schindler:

Siehst Du eine psychologische Gefahr darin, dass Ghosthunter-Gruppen in dem Bereich arbeiten und versuchen Menschen zu helfen?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Ganz ehrlich: ein wenig schon. Es kann sein, dass Ghosthunter auf Menschen treffen, die psychische Störungen oder körperliche Erkrankungen haben. Und solche Personen könnten Schaden erleiden, wenn man sie in ihrem Krankheitsbild unterstützt. Ich weiß nicht, ob sich alle Ghosthunter ihrer Verantwortung an dieser Stelle bewusst sind oder ob da nicht ab und an der Wunsch nach einer Geistersichtung überwiegt. Helfen wollen und helfen können sind nunmal erstmal zwei getrennte paar Schuhe.

 

 

Melanie Schindler:

Was hältst Du im Allgemeinen von der Arbeit der Ghosthunter?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Das Problem, das ich habe, ist, dass es nicht DIE Ghosthunter gibt. Jeder kann sich Ghosthunter nennen und ein entsprechendes Team gründen. Deswegen ist die Bandbreite an selbst ernannten Geisterjägern ganz schön breit. Es gibt keine Mindeststandards, keinen Ehrenkodex oder ähnliches. Da gibt es Gruppen wie eure, die meines Erachtens zwar nicht wissenschaftlich-geschult aber doch für rational-skeptisches Gedankengut zugänglich sind, auch wenn unsere Meinung im Details sehr auseinander gehen. Aber es gibt ebenso gut auch Ghosthunter, die dogmatische Esoteriker sind. Generell finde ich problematisch, dass die meisten Ghosthunter Instrumente einsetzen, deren Wirkungsweise einem Laien letztendlich ebenso unklar ist wie die konkrete Interpretation eines Messwertes. Oder anders: Sollte es Menschen geben, die sich mit Spukphänomenen beschäftigen? Meiner Meinung nach ganz klar „Ja“. Sind die Ghosthunter immer die Richtigen dafür? Jein, denn das hängt vom Vorgehen der einzelnen Gruppe ab.

 

 

Melanie Schindler:

Hast Du aufgrund Deiner beruflichen Erfahrung eine Erklärung dafür warum manche Menschen mehr paranormale Erlebnisse haben als Andere?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Das ist eine ungeheuer spannende Frage. Blenden wir hier einmal die Menschen aus, bei denen die paranormalen Spukerlebnisse Teil einer Störung oder Krankheit sind. Studien zeigen, dass die verbleibenden Menschen oft hohe Gläubigkeit sowie Unsicherheit im Leben gemeinsam haben. Ich persönlich bin zudem Anhänger eines Konzepts, dass sich „Transliminalität“ nennt, und die individuelle Offenheit u.a. für paranormale Erfahrungen meint. Diese schwankt unter den Menschen und ist im Allgemeinen wohl normalverteilt, und bei einem Teil der Menschheit wohl überdurchschnittlich hoch. Vielleicht ist das sowas wie die übergute Fähigkeit zur Mustererkennung, die uns vermutlich ja viele Hundertausende von Jahren unseren evolutionären Weg ermöglichte. Aber ich glaube in der Tat, dass hier noch viel spannender Forschungsbedarf ist und wir an dieser Stelle noch unglaublich viel über den Menschen lernen können.

 

 

Melanie Schindler:

Bist du auch der Meinung das sich alles naturwissenschaftlich erklären läßt? Die Vergangenheit hat uns bisher gezeigt das Dinge die man sich nicht direkt erklären konnte später wissenschaftlich bewiesen wurde. Kannst Du Dir vorstellen das auch in diesem Bereich irgendwann ein wissenschaftlicher Durchbruch kommt?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Vorstellen kann ich mir viel, auch an Paradigmenwechseln in der Wissenschaft. Aber der ganze Bereich der paranormalen Phänomene, die Ghosthunter betrachten, hat ein grundlegendes Problem: das Fehlen einer Hintergrundtheorie. Die wäre aber wichtig, um dann zielgerichtet Experimente und Studien durchführen zu können. Und ich habe leider oft das Gefühl, dass viele Esoteriker darüber ganz froh sind.

 

 

Melanie Schindler:

Dr. Walter von Lucadou hat ja mittlerweile auch öffentlich bekannt gegeben das er Dinge erlebt hat, die er sich bei seinem heutigen Wissensstand nicht erklären kann. Was hälst Du davon?

 

 

Sebastian Bartoschek:

Jeder Wissenschaftler hat ein Recht – und vielleicht auch die Pflicht – seine Meinung zu vertreten. Dies gilt natürlich auch für Walter von Lucadou. Ich habe seine diesbezüglichen Aussagen selbst nicht gelesen und kann sie deswegen im Detail nicht kommentieren.

 

 

Melanie Schindler:

Würdest Du selbst gern mal einen „echten Spuk“ erleben und wenn ja warum?

 

 

 

Sebastian Bartoschek:

Klar würde ich gerne einmal „echten Spuk“ erleben. Es ist doch so: es macht keinen Sinn an Überzeugungen festzuhalten, die widerlegt wurden. Das ist die große Erkenntnis der Menschheitsgeschichte: Wahres setzt sich früher oder später durch und hilft den Menschen. Und im Gegensatz zu Anderen, die bei Beweisen gegen ihre Überzeugungen, versuchen krampfhaft am Alten festzuhalten, möchte ich gerne Teil des Fortschritts sein. Und „echter Spuk“ oder ein echter Beweis dafür, würde zu neuem Wissen führen – und welcher Wissenschaftler will da nicht dabei sein?

 

 

http://www.sebastian-bartoschek.de/


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